Aquaristik-Ratgeber | BioSphere Aquaristik

PRAXISWISSEN AUS EIGENER AQUARIENPRAXIS

AQUARISTIK VERSTEHEN.
BESSER ENTSCHEIDEN.

In meinem Ratgeber teile ich Erfahrungen aus meiner eigenen Aquarienpraxis rund um Pflanzen, Hardscape, Garnelen, Wasserwerte und Pflege. Verständlich erklärt, praxisnah und ohne unnötigen Schnickschnack.

Weißer Belag auf Aquariumwurzeln: gefährlich oder völlig normal?

Du hast eine neue Wurzel ins Aquarium gesetzt und wenige Tage später liegt plötzlich ein weißlicher, manchmal fast durchsichtiger oder schleimiger Belag darauf. Das sieht im ersten Moment nicht gerade beruhigend aus.

Gerade bei neu eingesetzten Wurzeln ist so etwas aber zunächst kein ungewöhnliches Phänomen.

Wichtig ist mir dabei eine Sache: Ich würde diesen Belag nicht automatisch als „Schimmel“ bezeichnen. Auf untergetauchten Oberflächen bilden sich Biofilme aus verschiedenen Mikroorganismen. Dazu können unter anderem Bakterien und Pilze gehören. Welche Organismen einen konkreten Belag bilden, lässt sich allein anhand seines Aussehens nicht zuverlässig bestimmen.

Warum entsteht der Belag gerade auf neuen Wurzeln?

Eine frisch eingesetzte Wurzel ist für Mikroorganismen zunächst eine neue Oberfläche, die besiedelt werden kann.

Holz enthält außerdem organische Bestandteile, von denen ein Teil nach dem Einsetzen ins Wasser verfügbar werden kann. Mikroorganismen nutzen solche organischen Stoffe als Nahrungs- und Energiequelle. Untergetauchtes Holz wird deshalb auch in natürlichen Süßgewässern von mikrobiellen Gemeinschaften und Pilzen besiedelt und nach und nach biologisch abgebaut.

Das bedeutet nicht, dass die Wurzel im Aquarium plötzlich „fault“. Es bedeutet zunächst nur, dass biologische Prozesse auf ihrer Oberfläche stattfinden.

Ist der weiße Belag gefährlich?

Der Belag allein ist noch kein Hinweis darauf, dass mit dem Aquarium etwas nicht stimmt.

Biofilme gehören zu aquatischen Lebensräumen. Sie entstehen auf Steinen, Pflanzen, Holz und praktisch allen länger unter Wasser liegenden Oberflächen.

Deshalb würde ich bei einem neu eingerichteten oder frisch dekorierten Aquarium nicht allein aufgrund eines weißen Belags in Panik geraten.

Entscheidend ist für mich immer das Gesamtbild des Beckens.

Sind die Tiere unauffällig, riecht das Aquarium normal und zeigen die Wasserwerte keine Auffälligkeiten, besteht allein wegen eines solchen Oberflächenbelags normalerweise kein Grund, sofort mit irgendwelchen Mitteln einzugreifen.

Fressen Garnelen und Schnecken solchen Aufwuchs?

Biofilme und sogenanntes Periphyton spielen in natürlichen Gewässern als Nahrungsquelle für viele weidende Organismen eine wichtige Rolle. Auch bei verschiedenen Garnelenarten ist bekannt, dass sie Mikroaufwuchs, Detritus und Bestandteile von Biofilmen aufnehmen.

Das heißt aber nicht, dass ich jeden unbekannten weißen Belag automatisch als „gesundes Garnelenfutter“ bezeichnen würde.

Wenn Garnelen oder Schnecken daran weiden, ist das zunächst ein normales Verhalten. Eine konkrete Zusammensetzung oder einen bestimmten Nährwert kann man einem sichtbaren Belag jedoch nicht ansehen.

Muss ich den Belag entfernen?

Nein, nur weil er mich optisch stört, muss ich nicht sofort eingreifen.

Wenn er mich nicht stört und das Aquarium ansonsten unauffällig läuft, lasse ich solche biologischen Prozesse zunächst ihren Weg gehen.

Möchte ich ihn entfernen, reicht eine mechanische Reinigung. Ich kann den Belag beispielsweise beim Wasserwechsel vorsichtig absaugen oder die Wurzel außerhalb des Aquariums mit einer sauberen Bürste abreiben.

Von irgendwelchen Desinfektionsmitteln, Fungiziden oder anderen chemischen Mitteln im Aquarium würde ich dafür Abstand nehmen. Damit würde ich nicht nur den sichtbaren Belag treffen, sondern möglicherweise auch andere Organismen im System beeinflussen.

Wie lange bleibt der Belag?

Hier würde ich bewusst keine feste Zahl wie „nach sieben Tagen ist er weg“ nennen.

Wie schnell sich ein Biofilm entwickelt und wieder verändert, hängt unter anderem von der verwendeten Holzart, der verfügbaren organischen Substanz, Temperatur, Wasserchemie, Strömung und der vorhandenen mikrobiellen Gemeinschaft ab.

Bei manchen Wurzeln verändert sich der Belag relativ schnell, bei anderen bleibt er länger sichtbar.

Eine pauschale Zeitangabe wäre deshalb eher eine schöne Faustregel als eine belastbare Aussage.

Wann schaue ich genauer hin?

Ein weißer Belag allein beunruhigt mich nicht. Anders sieht es aus, wenn zusätzlich andere Auffälligkeiten auftreten.

Wenn Tiere ungewöhnliches Verhalten zeigen, die Wasserqualität sichtbar schlechter wird, ein unangenehm fauliger Geruch entsteht oder das Holz selbst auffällig weich und stark zersetzt erscheint, würde ich nicht einfach weiter abwarten.

Dann prüfe ich das Aquarium als Ganzes: Wasserwerte, Sauerstoffversorgung, organische Belastung und natürlich auch, ob das verwendete Holz überhaupt für den Aquarieneinsatz geeignet ist.

Der entscheidende Punkt ist also nicht: „Ist etwas Weißes auf der Wurzel?“

Sondern: „Wie verhält sich das gesamte Aquarium?“

Mein Umgang damit

Wenn ich eine neue Aquariumwurzel einsetze und sich anschließend ein weißlicher Belag bildet, gehe ich zunächst ziemlich unspektakulär damit um.

Ich beobachte das Becken.

Ich kontrolliere meine Tiere und die Wasserwerte.

Und wenn mich der Belag optisch stört, entferne ich ihn mechanisch.

Mehr Aktionismus braucht es in einem ansonsten stabilen Aquarium meistens nicht.

Fazit

Ein weißlicher Belag auf einer frisch eingesetzten Aquariumwurzel sieht oft dramatischer aus, als der Vorgang tatsächlich ist.

Untergetauchte Oberflächen werden von Mikroorganismen besiedelt, und Holz ist davon selbstverständlich nicht ausgenommen. Der sichtbare Belag kann Bestandteil dieser natürlichen mikrobiellen Besiedlung sein.

Nicht das Aussehen der Wurzel allein entscheidet deshalb darüber, ob Handlungsbedarf besteht, sondern der Zustand des gesamten Aquariums.

Genau deshalb finde ich Beobachten und Verstehen sinnvoller als vorschnell irgendein Mittel ins Wasser zu geben.

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