Aquaristik-Ratgeber | BioSphere Aquaristik

PRAXISWISSEN AUS EIGENER AQUARIENPRAXIS

AQUARISTIK VERSTEHEN.
BESSER ENTSCHEIDEN.

In meinem Ratgeber teile ich Erfahrungen aus meiner eigenen Aquarienpraxis rund um Pflanzen, Hardscape, Garnelen, Wasserwerte und Pflege. Verständlich erklärt, praxisnah und ohne unnötigen Schnickschnack.

Wasserwerte im Aquarium verstehen: pH, GH und KH richtig einordnen

Wasserwerte im Aquarium verstehen: pH, GH und KH richtig einordnen

pH 6,8. GH 6. KH 3.

Drei Zahlen, die in der Aquaristik ständig genannt werden. Trotzdem sagen sie alleine noch nicht, ob ein Aquarium gut läuft oder ob sich bestimmte Tiere darin wohlfühlen.

Für mich sind Wasserwerte deshalb keine Noten, bei denen möglichst viele Werte „perfekt“ sein müssen. Sie beschreiben bestimmte Eigenschaften des Wassers und helfen mir, Veränderungen zu verstehen.

Entscheidend ist, was ein Wert tatsächlich misst und für welches Aquarium ich ihn beurteile.

Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch das Wasser ist

Der pH-Wert ist ein Maß für die Wasserstoffionenaktivität. Ein pH von 7 gilt als neutral, niedrigere Werte sind saurer und höhere Werte basischer. Der pH beeinflusst außerdem zahlreiche chemische und biologische Vorgänge im Wasser, unter anderem die Löslichkeit und biologische Verfügbarkeit verschiedener Stoffe.

Wichtig ist dabei: Die pH-Skala ist logarithmisch.

Eine Änderung um eine ganze pH-Stufe bedeutet deshalb keine kleine lineare Veränderung.

Für mein Aquarium heißt das vor allem, dass ich nicht nur auf die Zahl selbst schaue, sondern auch darauf, ob sie stabil ist und warum sie sich verändert.

Ein „richtiger pH-Wert“ existiert nicht für jedes Aquarium

Ich halte wenig von Aussagen wie:

„Ein Aquarium sollte pH 7 haben.“

Dafür unterscheiden sich die natürlichen Lebensräume unserer Tiere und Pflanzen viel zu stark.

Weiches, huminstoffreiches Wasser kann deutlich saurer sein. Andere Arten stammen aus härteren und alkalischeren Gewässern.

Auch die Wasserchemie eines Pflanzenaquariums kann sich durch CO₂-Zufuhr verändern. Tropica nutzt beispielsweise ausdrücklich das Verhältnis zwischen Karbonathärte und pH, um die CO₂-Konzentration im Pflanzenbecken einzuordnen.

Deshalb interessiert mich nicht, ob mein pH irgendeiner allgemeinen Internetzahl entspricht.

Mich interessiert, ob er zu den gepflegten Tieren, Pflanzen und dem gesamten System passt.

Was sagt die Gesamthärte GH aus?

Die Gesamthärte beschreibt im Wesentlichen den Gehalt gelöster Erdalkalimetalle im Wasser, vor allem Calcium und Magnesium. Auch die USGS definiert Wasserhärte im wissenschaftlichen Sinn hauptsächlich über die Konzentration gelösten Calciums und Magnesiums.

GH und pH sind deshalb zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Ein Wasser kann weich sein und trotzdem einen bestimmten pH besitzen. Umgekehrt sagt ein hoher pH-Wert nicht automatisch exakt, wie hoch die Gesamthärte ist.

Gerade bei Garnelen ist die Mineralisierung des Wassers interessant, weil Calcium und Magnesium nicht nur irgendwelche Messwerte auf einem Teststreifen sind, sondern reale Bestandteile des Wassers.

Trotzdem leite ich aus einer GH-Zahl allein noch keine vollständige Aussage über die Mineralzusammensetzung ab.

Und was ist dann die KH?

Hier wird es etwas komplizierter.

In der Aquaristik sprechen wir von Karbonathärte oder KH. Praktisch wird damit vor allem die Pufferung des Wassers durch Hydrogencarbonat- und Carbonatsysteme betrachtet.

Chemisch präziser spricht man häufig von Alkalinität beziehungsweise Säureneutralisationskapazität. Sie beschreibt die Fähigkeit des Wassers, Säuren zu neutralisieren und dadurch Änderungen des pH-Werts abzupuffern.

Das ist der Grund, weshalb KH im Aquarium häufig mit pH-Stabilität in Verbindung gebracht wird. Auch JBL beschreibt die Karbonathärte im Aquarienkontext ausdrücklich als wichtigen Faktor für die Stabilisierung des pH-Werts.

Vereinfacht gesagt:

Je geringer die Pufferkapazität des Wassers ist, desto weniger Widerstand besitzt es gegenüber säurebedingten pH-Veränderungen.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass niedrige KH grundsätzlich schlecht ist.

Niedrige KH kann vollkommen beabsichtigt sein

Gerade in bestimmten Pflanzenaquarien oder bei der Haltung von Weichwasserarten wird bewusst mit geringer Karbonathärte gearbeitet.

Auch aktive Aquarienböden können Wasserwerte beeinflussen. Tropica beschreibt für sein Aquarium Soil beispielsweise ausdrücklich, dass es KH und pH des Aquarienwassers senkt.

Wer ein solches System betreibt, darf deshalb nicht dieselben Erwartungen an KH und pH haben wie jemand, der ein Aquarium mit hartem Leitungswasser pflegt.

Ein Wert ist nicht automatisch problematisch, nur weil er niedrig oder hoch aussieht. Der Kontext entscheidet.

GH und KH sind nicht dasselbe

Das wird gerade am Anfang gerne verwechselt.

GH beschreibt vor allem Calcium und Magnesium.

KH beziehungsweise die damit erfasste Pufferkapazität beschreibt einen anderen Teil der Wasserchemie.

Deshalb müssen GH und KH auch nicht identisch sein.

Ich betrachte beide Werte getrennt und frage mich anschließend, ob die Kombination für mein Aquarium sinnvoll ist.

Warum verändert sich der pH überhaupt?

Der pH eines Aquariums ist nicht vollkommen losgelöst von anderen Vorgängen.

CO₂ spielt beispielsweise eine wichtige Rolle. Gelöstes Kohlendioxid beeinflusst das Carbonatsystem des Wassers und damit den pH-Wert. Genau deshalb kann aus pH und KH unter bestimmten Voraussetzungen eine Abschätzung der CO₂-Konzentration vorgenommen werden. Tropica nutzt dieses Prinzip in seinen Empfehlungen zur CO₂-Einstellung.

Auch schon außerhalb eines Aquariums kann sich der pH einer Wasserprobe verändern, beispielsweise wenn Kohlendioxid ausgast. Die USGS weist darauf hin, dass solche physikalischen und chemischen Reaktionen den pH einer Probe innerhalb relativ kurzer Zeit verändern können.

Deshalb vergleiche ich Messungen möglichst unter ähnlichen Bedingungen und nicht einmal morgens direkt nach dem Lichtstart und beim nächsten Mal abends nach einem ganzen Beleuchtungstag.

Stabilität ist oft interessanter als eine perfekte Zahl

Wenn ein Aquarium über längere Zeit stabil läuft, Tiere sich normal verhalten und Pflanzen vernünftig wachsen, ändere ich nicht hektisch Wasserwerte, nur weil irgendeine Tabelle einen etwas anderen Idealwert nennt.

Eine plötzliche deutliche Veränderung interessiert mich dagegen.

Wenn ein Wert, der normalerweise relativ stabil ist, plötzlich stark abweicht, frage ich mich warum.

Gab es einen großen Wasserwechsel?

Wurde der Bodengrund verändert?

Wird CO₂ anders dosiert?

Hat sich die Wasserquelle verändert?

Sind neue Steine oder andere Materialien ins Aquarium gekommen?

Solche Fragen helfen mir wesentlich mehr als der Versuch, eine bestimmte Zahl zwanghaft zu treffen.

Die passenden Werte richten sich nach dem Besatz

Ein zentraler Fehler ist für mich, zuerst irgendwelche „optimalen Aquariumwerte“ festzulegen und danach Tiere dafür zu suchen.

Ich mache es lieber andersherum.

Ich schaue mir an, welche Bedingungen die Tiere benötigen, die ich halten möchte, und richte die Wasserchemie danach aus.

Ein Caridina-Becken mit aktivem Soil kann deshalb vollkommen andere Werte haben als ein Aquarium für Tiere aus mineralreichen Gewässern.

Beides kann richtig sein.

Nur eben nicht für denselben Besatz.

Muss ich ständig alles messen?

Nein.

Ich messe, wenn mir die Information etwas bringt.

Während einer Neueinrichtung, bei Veränderungen der Wasseraufbereitung, beim Einstellen von CO₂ oder wenn sich Tiere beziehungsweise Pflanzen auffällig verhalten, können Messungen sehr hilfreich sein.

Wenn ein Aquarium dagegen seit langer Zeit unter derselben Pflege stabil läuft, muss ich nicht aus Prinzip jeden Tag sämtliche verfügbaren Tests durchführen.

Ich messe 1x die Woche meist Sonntags da ich da eh Wasserwechsel mache, natürlich bevor ich den Wasserwechsel mache in meinen Becken

Messwerte sind für mich ein Werkzeug zur Beurteilung des Systems.

Sie sind nicht das eigentliche Ziel der Aquaristik.

Mein Vorgehen

Wenn ich ein Aquarium plane, schaue ich zuerst auf die Anforderungen des späteren Besatzes.

Dann interessiert mich mein Ausgangswasser.

Wie hoch sind GH und KH?

Wo liegt der pH?

Muss ich überhaupt etwas verändern?

Und wenn ja: Warum?

Ich versuche nicht, möglichst viele Mittel ins Wasser zu geben, bis eine Tabelle hübsch aussieht.

Je weniger Eingriffe notwendig sind, um stabile und passende Bedingungen zu erreichen, desto lieber ist mir das.

Fazit

pH, GH und KH beschreiben unterschiedliche Eigenschaften unseres Aquarienwassers.

Der pH sagt etwas über den Säure-Basen-Zustand aus und beeinflusst zahlreiche chemische und biologische Prozesse.

Die GH wird hauptsächlich durch gelöstes Calcium und Magnesium bestimmt.

Die KH beziehungsweise die entsprechende Alkalinität hängt mit der Pufferkapazität des Wassers und damit seiner Widerstandsfähigkeit gegenüber pH-Veränderungen zusammen.

Keine dieser Zahlen ist für sich genommen „gut“ oder „schlecht“.

Für mich werden Wasserwerte erst dann sinnvoll, wenn ich weiß, was sie bedeuten und sie im Zusammenhang mit meinem Aquarium betrachte.

Denn am Ende pflege ich kein Reagenzglas.

Ich pflege ein lebendiges Aquarium.

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