Aquaristik-Ratgeber | BioSphere Aquaristik

PRAXISWISSEN AUS EIGENER AQUARIENPRAXIS

AQUARISTIK VERSTEHEN.
BESSER ENTSCHEIDEN.

In meinem Ratgeber teile ich Erfahrungen aus meiner eigenen Aquarienpraxis rund um Pflanzen, Hardscape, Garnelen, Wasserwerte und Pflege. Verständlich erklärt, praxisnah und ohne unnötigen Schnickschnack.

Aquariumwurzeln richtig vorbereiten: Wässern, reinigen oder direkt einsetzen?

Eine neue Wurzel fürs Aquarium ist gekauft, das Layout steht im Kopf – und dann kommt die Frage: Muss ich das Holz jetzt eigentlich tagelang wässern, abkochen oder kann es direkt ins Becken?

Meine Antwort darauf ist: Es gibt kein starres Ritual, das bei jeder Aquariumwurzel notwendig ist.

Ich spreche hier ausdrücklich von Holz, das als Aquariumholz verkauft wird. Bei selbst gesammeltem Holz spielen Holzart, Herkunft und mögliche Verunreinigungen eine ganz andere Rolle.

Als Erstes: gründlich anschauen und reinigen

Bevor eine neue Wurzel in mein Aquarium kommt, schaue ich sie mir genau an.

Lose Rindenreste, Erde, Staub oder andere Verschmutzungen entferne ich. Dafür reichen sauberes Wasser und bei Bedarf eine Bürste.

Spülmittel oder andere Haushaltsreiniger haben für mich an Aquariumholz nichts verloren. Auch Hersteller von Aquarientechnik warnen ausdrücklich davor, Seifen und Reinigungsmittel bei Gegenständen zu verwenden, die anschließend mit dem Aquarienwasser in Kontakt kommen.

Mehr Chemie braucht eine normal gekaufte Aquariumwurzel für meine Vorbereitung nicht.

Muss eine Aquariumwurzel gewässert werden?

Nein, nicht grundsätzlich.

Wässern hat aber zwei ganz praktische Vorteile.

Zum einen können sich lösliche Bestandteile des Holzes bereits außerhalb des Aquariums lösen. Natürliche Hölzer können Gerbstoffe beziehungsweise Tannine an das Wasser abgeben. Diese Stoffe sind der Grund dafür, dass sich das Wasser je nach Holzart gelblich bis braun färben kann. Durch vorheriges Wässern lässt sich ein Teil dieser Färbung bereits vor dem Einsetzen reduzieren.

Zum anderen gibt es Wurzeln, die anfangs aufschwimmen. Je nach Holzart kann längeres Wässern notwendig sein, bis das Holz ausreichend Wasser aufgenommen hat und von selbst unter Wasser bleibt. Einige typische Aquarienhölzer sinken dagegen praktisch sofort.

Deshalb entscheide ich nicht nach einer festen Zahl von Tagen, sondern nach der jeweiligen Wurzel.

Wie lange sollte ich wässern?

Hier halte ich nichts von Aussagen wie:

„Jede Wurzel muss sieben Tage gewässert werden.“

Dafür unterscheiden sich Holzarten, Größe, Dichte und Ausgangszustand viel zu stark.

Wenn ich hauptsächlich verhindern möchte, dass eine schwimmende Wurzel im Aquarium nach oben kommt, wässere ich sie so lange, bis sie zuverlässig unten bleibt.

Wenn mich vor allem die Wasserfärbung stört, kann ich das Wasser im Behälter regelmäßig wechseln und beobachten, wie stark es sich noch verfärbt. Herstellerempfehlungen nennen beispielsweise mehrtägiges Wässern mit regelmäßigen Wasserwechseln als Möglichkeit, die spätere Färbung zu reduzieren.

Vollständig verhindern lässt sich eine spätere Abgabe dadurch nicht zwangsläufig.

Manche Hölzer geben auch nach längerer Zeit noch färbende Stoffe ab.

Muss ich die Wurzel abkochen?

Ich halte Abkochen nicht für einen obligatorischen Schritt bei jeder gekauften Aquariumwurzel.

Heißes Wasser beziehungsweise Kochen kann die Abgabe färbender Stoffe beschleunigen. Deshalb wird diese Methode häufig empfohlen, wenn möglichst wenig Braunfärbung im Aquarium gewünscht ist.

Bei großen Wurzeln ist vollständiges Abkochen ohnehin häufig kaum praktikabel.

Wenn ich eine normale, saubere und ausdrücklich für Aquarien angebotene Wurzel habe, reicht mir persönlich in vielen Fällen eine gründliche Reinigung und gegebenenfalls vorheriges Wässern.

Ich würde also nicht automatisch einen riesigen Topf suchen, nur weil irgendwo steht, dass jede Aquariumwurzel zwingend gekocht werden müsse.

Ist braunes Wasser ein Zeichen dafür, dass die Wurzel schlecht ist?

Nein.

Die typische gelbliche oder braune Färbung kann durch Stoffe entstehen, die aus dem Holz ins Wasser übergehen. Bei natürlichem Aquariumholz ist das grundsätzlich kein ungewöhnlicher Vorgang.

Ob ich diese Färbung möchte, ist eine andere Frage.

In manchen Aquarien passt eine leichte Bernsteinfärbung hervorragend zum natürlichen Erscheinungsbild. In einem hellen Aquascape möchte ich sie vielleicht überhaupt nicht haben.

Dann kann ich vorher länger wässern und später mit normalen Wasserwechseln arbeiten.

Und was ist mit weißem Belag?

Auch eine gut gereinigte und gewässerte Wurzel kann nach dem Einsetzen einen weißlichen oder schleimigen Aufwuchs entwickeln.

Die Vorbereitung einer Wurzel verhindert nicht automatisch die spätere mikrobielle Besiedlung ihrer Oberfläche. Solche Beläge auf neu eingesetztem Holz werden auch in der Aquaristik beschrieben.

Das ist deshalb für mich kein Beweis dafür, dass die Wurzel vorher „falsch vorbereitet“ wurde.

Wie ich mit einem solchen Belag umgehe, erkläre ich ausführlich im Ratgeberbeitrag „Weißer Belag auf Aquariumwurzeln: gefährlich oder völlig normal?“

Wann setze ich eine Wurzel direkt ein?

Wenn eine gekaufte Aquariumwurzel

sauber ist, keine losen oder störenden Rückstände mehr besitzt und entweder von selbst sinkt oder im Hardscape sicher befestigt werden kann, spricht für mich grundsätzlich nichts dagegen, sie nach gründlichem Abspülen direkt in die Gestaltung einzubauen.

Dabei muss ich allerdings damit rechnen, dass das Holz das Wasser zunächst färbt oder sich später Aufwuchs auf seiner Oberfläche bildet.

Wenn ich genau das vermeiden oder zumindest reduzieren möchte, wässere ich vorher.

Für mich ist Wässern deshalb kein Pflichtprogramm, sondern ein Werkzeug.

Mein Vorgehen in der Praxis

Bei einer neuen Aquariumwurzel gehe ich meistens ziemlich einfach vor:

Ich kontrolliere das Holz gründlich und entferne lose Verschmutzungen.

Danach spüle und bürste ich es mit sauberem Wasser ab.

Schwimmt die Wurzel stark auf oder möchte ich möglichst wenig Wasserfärbung, wässere ich sie vorher separat.

Passt alles und die Wurzel lässt sich sicher im Layout befestigen, kann sie bei mir auch direkt ins Aquarium.

Was ich nicht mache, ist eine Wurzel tagelang nach einem festen Schema zu behandeln, nur weil eine allgemeine Anleitung behauptet, dass es immer notwendig sei.

Fazit

Eine Aquariumwurzel muss nicht komplizierter vorbereitet werden als nötig.

Sauber sollte sie sein. Sie muss im Layout sicher liegen. Und ich sollte wissen, dass natürliche Hölzer das Wasser färben, zunächst aufschwimmen oder später einen sichtbaren Aufwuchs entwickeln können.

Wässern kann dabei helfen, Auftrieb und Wasserfärbung bereits vor dem Einsetzen zu reduzieren. Abkochen kann die Abgabe färbender Stoffe beschleunigen, ist für mich bei sauberem, für Aquarien vorgesehenem Holz aber kein automatischer Pflichtschritt.

Ich bereite also nicht jede Wurzel nach demselben Schema vor – sondern so, wie es für das jeweilige Holz und das geplante Aquarium sinnvoll ist.

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