Aquaristik-Ratgeber | BioSphere Aquaristik

PRAXISWISSEN AUS EIGENER AQUARIENPRAXIS

AQUARISTIK VERSTEHEN.
BESSER ENTSCHEIDEN.

In meinem Ratgeber teile ich Erfahrungen aus meiner eigenen Aquarienpraxis rund um Pflanzen, Hardscape, Garnelen, Wasserwerte und Pflege. Verständlich erklärt, praxisnah und ohne unnötigen Schnickschnack.

Aquarienpflanzen richtig einsetzen: Die häufigsten Fehler nach dem Kauf

Neue Aquarienpflanzen sehen im Topf oft so aus, als müsste man sie nur herausnehmen, in den Bodengrund stecken und fertig.

Ganz so einfach ist es leider nicht.

Stängelpflanze, Cryptocoryne, Bodendecker oder Anubias werden unterschiedlich vorbereitet und eingesetzt. Genau dabei passieren viele der Fehler, die einer Pflanze den Start unnötig schwer machen.

Für mich beginnt eine gute Bepflanzung deshalb schon vor dem eigentlichen Einsetzen.

Nicht jede Aquarienpflanze wird gleich gepflanzt

Das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt überhaupt.

Stängelpflanzen werden anders behandelt als Rosettenpflanzen. Bodendecker werden in kleinere Portionen geteilt. Rhizompflanzen wie Anubias oder Microsorum dürfen nicht einfach genauso tief in den Bodengrund gesteckt werden wie eine klassische Stängelpflanze.

Tropica unterscheidet in seiner Pflanzanleitung deshalb ausdrücklich zwischen Stängel-, Rosetten-, Bodendecker-, Rhizom-, Schwimm-, Moos-, Zwiebel-, Knollen- und Ausläuferpflanzen.

Die richtige Pflanzweise hängt also zuerst von der Pflanzenart ab.

Topf und Steinwolle nicht einfach mit eingraben

Bei klassischen Topfpflanzen entferne ich zuerst den Kunststofftopf und löse die Pflanze vorsichtig aus der Steinwolle.

Tropica empfiehlt bei verschiedenen Pflanzengruppen ausdrücklich, Topf und überschüssige Steinwolle zu entfernen. Bei manchen Bodendeckern kann ein kleiner Rest der Steinwolle bewusst als Pflanzanker verwendet werden.

Ich versuche deshalb nicht, jede einzelne Faser mit Gewalt zwischen feinen Wurzeln herauszureißen.

Mein Ziel ist, die Pflanze sauber freizulegen, ohne sie dabei unnötig zu beschädigen.

Müssen die Wurzeln gekürzt werden?

Lange oder stark durchgewachsene Wurzeln können vor dem Einsetzen gekürzt werden.

Interessant ist dabei, dass selbst Herstelleranleitungen keine universelle Zentimeterzahl nennen: Tropica empfiehlt bei mehreren Pflanzengruppen ungefähr vier Zentimeter, während Dennerle in seiner Anleitung kürzere Wurzeln nennt.

Für mich zeigt das vor allem eines:

Es geht nicht darum, mit dem Lineal exakt eine bestimmte Länge herzustellen.

Sehr lange, beschädigte oder verfilzte Wurzeln kann ich sinnvoll einkürzen. Eine gesunde Pflanze muss ich aber nicht unnötig verstümmeln, nur weil irgendwo eine feste Zahl steht.

Stängelpflanzen nicht als dicken Bund einsetzen

Stängelpflanzen wie Hygrophila oder Ludwigia werden häufig als mehrere Stängel zusammen verkauft.

Tropica empfiehlt, vorhandene Keramikringe zu entfernen, die unteren Blätter abzunehmen und die Stängel anschließend in Gruppen einzupflanzen.

Ich setze deshalb nicht den kompletten Verkaufsbund als einen einzigen dicken Pflanzenklumpen in den Boden.

Einzelne beziehungsweise locker gruppierte Stängel lassen sich deutlich gezielter platzieren und ich kann bereits beim Pflanzen bestimmen, wie sich die spätere Gruppe im Layout entwickeln soll.

Bodendecker brauchen Fläche

Bei kleinen Bodendeckern ist die Versuchung groß, den kompletten Topfinhalt an eine Stelle zu setzen und darauf zu warten, dass daraus irgendwann ein Teppich wird.

Sinnvoller ist es, das Ausgangsmaterial auf mehrere kleine Portionen zu verteilen.

Tropica empfiehlt bei klassischen Bodendeckern eine Aufteilung in mehrere Portionen und eine gleichmäßige Verteilung auf der gewünschten Fläche. Bei 1-2-Grow!-Pflanzen wird das Pflanzenmaterial nach dem Abspülen ebenfalls in mehrere kleinere Portionen geteilt.

So kann ich die verfügbare Pflanzenmasse von Beginn an über eine größere Fläche verteilen.

Bei Anubias und Javafarn ist das Rhizom entscheidend

Hier passiert ein besonders typischer Fehler.

Anubias und Microsorum besitzen ein Rhizom, also einen kräftigeren kriechenden Spross, aus dem Blätter und Wurzeln entstehen.

Dieses Rhizom darf nicht vollständig im Bodengrund verschwinden.

Tropica warnt ausdrücklich davor, das Rhizom beim Einpflanzen abzudecken, weil die Pflanze dadurch faulen kann. Stattdessen können solche Pflanzen auf Wurzeln oder Steinen befestigt beziehungsweise zwischen Hardscape-Elementen fixiert werden.

Genau deshalb verwende ich Anubias und ähnliche Aufsitzerpflanzen besonders gern direkt am Hardscape.

Die Wurzeln dürfen Kontakt zum Untergrund haben. Das Rhizom selbst bleibt frei.

In-Vitro-Pflanzen zuerst abspülen und teilen

Pflanzen aus geschlossenen Laborbechern werden nicht als ein einziger Block eingesetzt.

Das Nährmedium wird zunächst unter Wasser abgespült. Tropica empfiehlt anschließend, das Pflanzenmaterial in mehrere Portionen zu teilen und mit einer Pinzette einzusetzen. Bei den eigenen 1-2-Grow!-Pflanzen nennt Tropica beispielsweise sechs bis acht Portionen.

Gerade bei kleinen Bodendeckern ist das praktisch.

Aus einem unscheinbaren Becher können so erstaunlich viele einzelne Pflanzpunkte entstehen.

Beim Pflanzen müssen die Pflanzen feucht bleiben

Wenn ich ein größeres Aquarium bepflanze, kann das eine Weile dauern.

Dabei lasse ich vorbereitete Pflanzen nicht einfach trocken auf dem Tisch liegen.

Tropica empfiehlt, die Pflanzen während der Arbeit feucht zu halten. Das Einpflanzen selbst lässt sich zudem bei nur wenigen Zentimetern Wasser über dem Bodengrund leichter durchführen als in einem vollständig gefüllten Aquarium.

Das kann ich aus der Praxis nur nachvollziehen.

Ich sehe besser, was ich mache, Pflanzen treiben mir nicht ständig weg und der Bodengrund lässt sich wesentlich sauberer bearbeiten.

Eine Pflanze kann nach dem Einsetzen anders aussehen

Auch das führt manchmal zu unnötiger Sorge.

Viele klassische Aquarienpflanzen können sowohl über als auch unter Wasser wachsen. Tropica beschreibt, dass zahlreiche Arten in der Gärtnerei emers, also oberhalb des Wassers, kultiviert werden und unter Wasser neue Blätter entwickeln können, die sich in Form und Farbe unterscheiden.

Wenn eine frisch gekaufte Pflanze im Aquarium später anders aussieht als beim Kauf, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass mit ihr etwas nicht stimmt.

Sie kann sich schlicht an ihre neue Lebensweise unter Wasser anpassen.

Natürlich schaue ich trotzdem auf das Gesamtbild: neue Triebe, Blattzustand, Licht, CO₂ und Nährstoffversorgung.

Mein Vorgehen in der Praxis

Bei einer neuen Lieferung gehe ich nicht nach einem einzigen Schema vor.

Ich schaue zuerst, welche Pflanzenart ich überhaupt vor mir habe.

Dann entferne ich Verpackung, Topf und überschüssiges Kultursubstrat.

Lange oder störende Wurzeln kürze ich bei Bedarf.

Stängelpflanzen teile ich auf.

Bodendecker verteile ich in kleineren Portionen.

Bei Aufsitzerpflanzen achte ich darauf, dass das Rhizom frei bleibt.

Und erst dann kommt die Pflanze an den Platz, den ich im Layout für sie vorgesehen habe.

Fazit

Beim Einpflanzen entscheidet nicht möglichst viel Technik über den Erfolg, sondern vor allem, die jeweilige Wuchsform der Pflanze zu verstehen.

Eine Anubias möchte anders behandelt werden als eine Ludwigia. Ein Bodendecker anders als eine Cryptocoryne. Und eine In-Vitro-Portion ist kein fertiger Pflanzenbusch, sondern Ausgangsmaterial für viele einzelne Pflanzpunkte.

Wenn ich das berücksichtige, bekommt jede Pflanze von Anfang an einen vernünftigen Platz im Aquarium.

Und genau das ist für mich der bessere Start, als später korrigieren zu müssen, was beim Einsetzen vermeidbar gewesen wäre.

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